Subject: Falter 6/26, S.11ff:
Eva Konzett Lina Paulitsch Tessa Szyszkowitz Barbara Tóth:
Droge Smartphone: Wie uns das Handy kaputtmacht. Und was dagegen zu tun ist
To: Leserbriefe@Falter.at
Cc: Szyszkowitz@Falter.at, Toth@Falter.at
Sehr geehrte Redaktion,
mit Interesse habe ich Ihren Artikel zu sozialen Medien in Ausgabe 6/26 gelesen. Die kritische Auseinandersetzung mit Endless Scrolling und süchtigmachenden Algorithmen war wichtig und überfällig – gerade weil diese Mechanismen nicht nur Kinder und Jugendliche betreffen, sondern uns alle. Während über Social-Media-Verbote für Minderjährige diskutiert wird, bleiben Erwachsene denselben manipulativen Designs ausgesetzt.
Was mir jedoch fehlte, war eine Recherche zu Alternativen, die bereits existieren und ohne diese problematischen Mechanismen auskommen. Das Fediverse – ein dezentrales Netzwerk mit Mastodon als bekanntestem Vertreter – zählt mittlerweile etliche Dutzend Millionen Nutzer:innen besonders im deutschsprachigen Raum. Hier gibt es keine Algorithmen, die uns in Filterblasen drängen, keinen endlosen Feed, der uns die Zeit stiehlt, und keine Konzerne, die unsere Daten monetarisieren.
Gerade jetzt erlebt das Fediverse durch Initiativen wie di.day einen bemerkenswerten Aufschwung. Diese Entwicklung verdient journalistische Aufmerksamkeit – nicht nur als technische Randnotiz, sondern als gesellschaftlich relevante Alternative. Es geht um digitale Souveränität Europas, um die Unabhängigkeit und Privatsphäre unserer Daten, um die psychische Gesundheit unserer Kinder und um unsere eigene.
Ich würde mich freuen, wenn der Falter in Zukunft auch diese konstruktiven Ansätze beleuchten würde. Kritik ist wichtig, aber das Aufzeigen von Auswegen macht sie erst wirklich wirksam.
Mit freundlichen Grüßen
Karl Voit
Vorstand "graz.social – Verein zur Förderung ethischer Digitalkultur"