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Buch-Kritik: »QualityLand« von Marc-Uwe Kling

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Schon 2018 stolperte ich nach deutlichen Empfehlungen über das Video von 34C3 von Marc-Uwe Kling, wo er eine Lesung mit Textausschnitten aus seinem Buch "QualityLand" hält. Ich habe nach dem appetitanregendem Video nicht gleich das Buch besorgt und es wieder aus den Augen verloren. Vor kurzem habe ich es von Freunden empfohlen bekommen und gelesen.

Gleich mal vorweg mein Fazit: absolute Pflichtlektüre für alle!

Ich habe mich selten so amüsiert wie bei der Lektüre dieses Buches. Es ist also witzig und regt aber auch sehr zum Denken an. Eine lustige, konzentrierte Version vom Konzept von Black Mirror. Vordergründig ist es als Science-Fiction-Roman angelegt, doch eigentlich geht es um das Hier und Jetzt. Aktuelle Entwicklungen in Politik, Gesellschaft und Technik werden logisch fortgesetzt extrapoliert. Dadurch entsteht ein überzogenes Bild einer Gesellschaft, die teilweise das Lachen im Hals stecken bleiben lässt.

Das Werk sprüht nur so von fantastischen Einfällen und ein aufmerksames Lesen wird mit einer Menge an teilweise nur subtil angedeuteten Anspielungen belohnt.

Hier ein paar Zitate aus dem Buch, die mir besonders ins Auge gestochen sind:

Im Übrigen sind Menschen billiger. Sie haben keine Anschaffungs- und Wartungskosten.
Der Freund tat gerade so, als habe Peter sich ein Auto gekauft! Dabei besitzen nur Superreiche, Proleten und Zuhälter eine eigene Karre.
»Ich werde pro Kommentar bezahlt, und rechte Kommentare schreiben sich schneller, weil man nicht auf so nervigen Kram wie Orthographie, Grammatik, Fakten oder Logik Rücksicht nehmen muss. Auch die Programmierung meiner Bot-Armee wird dadurch leichter.«
Vielleicht kennen Sie ja den alten Spruch: »Jede Zivilisation ist nur drei Mahlzeiten entfernt von totalem Chaos.«
»Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass zur Verbesserung der Servicequalität alle Gespräche auf der ganzen Welt aufgezeichnet und analysiert werden. Ihre Fragen, Ihre Antworten und Ihr generelles Verhalten werden Eingang in Ihr Profil finden. Falls Sie damit nicht einverstanden sind, legen Sie jetzt einfach auf.«
Jeder komplexe Algorithmus ist für uns eine Black Box.
»Weißt du eigentlich, warum man es ›das Netz‹ nennt?«, fragt Kiki. Peter zuckt mit den Schultern. »Weil wir darin gefangen sind«, sagt Kiki.
Was glaubst du, warum wir jetzt alle Geräte knutschen müssen?« »Weil die Lippen fälschungssicherer sind als ein Fingerabdruck?« »Quatsch. Weil Hacker in die Systeme von QualityCorp eingedrungen sind und unsere Fingerabdrücke geklaut haben. Und das ist das Problem mit biometrischen Daten … Wenn jemand dein Passwort klaut, kannst du dir ein anderes ausdenken. Was aber machst du, wenn jemand deinen Fingerabdruck klaut?«
Du hast vielleicht die besseren Argumente«, sagt Conrad Koch, »aber das sind nur Argumente!«
»Mir ist ein altes Zitat eingefallen: ›Jede Maschine, die schlau genug ist, den Turing-Test zu bestehen, könnte auch schlau genug sein, ihn nicht zu bestehen.‹«
»Das ist der Algorhythmus, wo man mitmuss!«, sagt der Alte
DIE REGIERUNG ZWINGT UNS ZU FOLGENDEM HINWEIS: IN DIESEM GRAD IN DAS LEBEN EINES ANDEREN EINZUTAUCHEN KANN SÜCHTIG MACHEN UND ZU REALITÄTSVERLUST FÜHREN. ABER, HEY, MAL EHRLICH: DEINE REALITÄT WÜRDEST DU DOCH GERNE VERLIEREN, ODER NICHT?

Es gibt das Buch in zwei Varianten: die helle und die dunkle. Sie unterscheiden sich nur in den der Handlung unabhängigen Zwischentexten. Ich las die helle Variante, weil meine Bibliothek diese Version als eBook vorrätig gehalten hat.

Wenn du das Buch gelesen hast, wirst du dich freuen zu erfahren, dass es offenbar von HBO für eine Serie adaptiert wird. Und das von niemand geringeren als Mike Judge, der bekannt wurde als der Schöpfer von Beavis and Butt-Head oder einem meiner Lieblingsfilme Idiocracy. Man darf sich schon jetzt freuen.

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