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Vancouver: Der Rest

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Tja, nun bin ich wieder in Graz angekommen und mitten im Jetlag: es ist kurz vor vier Uhr Früh und ich bin putzmunter. Da nutz ich die Zeit am besten gleich, um meine diversen Notizen in einen letzten Vancouver-Blogeintrag zu konvertieren ;-) Es gibt sehr viel zu erzählen aber ich versuche, mich hier kurz zu halten. Wer mehr wissen will, der kann mich ja gerne fragen g

ASIS&T

Die Vorträge der ASIS&T(die Hauptkonferenz nach dem PIM09-Workshop) waren im direkten Vergleich zu dem ziemlich genialen (aber viel zu kurzen Workshop) etwas enttäuschend. Hier wurde ziemlich viel herumphilosophiert und abgehoben diskutiert. Mir fehlte viel zu oft der Bezug zur Praxis. Meiner Meinung nach ist es eher philosophisch, wenn sich Leute zum Beispiel über die Zukunft der Kommunikation Gedanken machen, ohne konkrete Ideen zur "Beeinflussung" zu haben.

Leider war auch das Handwerk des Vortragens wieder mal in typischer Art und Weise vertreten: 80% der Vorträge, bei denen ich war, waren ziemlich fad, 90% der Vortragenden hatten aus meiner Perspektive nicht wirklich etwas zu sagen und die Anzahl der gelungenen Vortragsfolien war verschwindend gering. Naja.

Äußerst toll fand ich aber die Keynote von Tim Bray: Der Typ ist einfach nur gut ;-)

Sehr interessant fand ich auch den Umstand, dass bei der ASIS&T sehr, sehr viele ältere Leute zwischen 50 und 70 heiß um die Themen, die gemeinhin mit "Web 2.0" umschrieben werden, diskutiert haben. Üblicherweise kenn ich das nur von "jüngeren Communities".

Ebenso spannend waren die Erklärungen von Kollegen, wie das in Nordamerika denn so mit der "Spaltung" bzw. "Konkurrenz" von Computer Science (CS) und Information Architecture (IA) ist. Wie haben das ja (gottseidank) nicht in dieser Form. Aber drüben ist das offenbar so, dass sich CS eher um das handwerkliche kümmert und IA eher um die Inhalte, die Philosophie, die Zukunftsgestaltung, usw. Und diese beiden Lager sind durchaus getrennt und konkurrieren um alle Art von Ressourcen. Dadurch entstehen viele (politisch bedingten) Dinge, bei denen unsereins vorerst mal den Kopf schüttelt.

Fortgehen

Extrem angenehm fand ich, dass in Kanada die Nichtraucher tatsächlich geschützt sind: nirgends darf man in Lokalen rauchen. Und draußen gibt es eine drei Meter Schutzzone rund um Türen, Fenster und Lufteinlässe. Das ermöglicht einem, dass man sogar im Anzug fortgehen kann, ohne am nächsten Tag eine komplett neue Garderobe zu benötigen. Ich freue mich schon drauf, wenn das endlich mal bei uns kommt. Hier sind wir sichtlich noch deutlich zurückgeblieben.

Das hat auch einen anderen positiven Aspekt: die Anzahl der auf der Straße stehenden und rauchenden Leute hat eine direkte Aussagekraft darauf, was in dem Lokal dahinter denn so los ist ;-)

Mit den Leuten, die ich auf der PIM09 und ASIS&T kennengelernt habe, war ich des öfteren fort. Dabei ergaben sich viele interessante Gespräche und ich konnte so einige sehr nette Leute kennenlernen!

In Lokalen oder auch Restaurants sieht man ziemlich oft Fernseher laufen. Die sind fast allgegenwärtig. Das was ich daran aber bemerkenswert gefunden habe war, dass es zu jedem Programm ein entsprechendes Teletext-Insert mit dem Text gibt. Das ist nicht nur für Menschen mit einer Hörbehinderung toll, sondern ermöglicht auch, dass man in Lokalen den Fernseher auf lautlos schalten kann und trotzdem auf Wunsch etwas vom Programm mitbekommt.

Essen

Ich habe es genossen! Ich war oft asiatisch Essen (japanisch, vietnamesisch, kambodschanisch, thai) und natürlich auch herrliche Burger (KEG, White Spot).

Ein Besuch eines japanischen Sushi-Hauses werde ich sicher länger nicht vergessen: die spielten dort allen Ernstes zum tollen Sushi und Sashimi deutsche Schlagerlieger auf Bontempi-instrumental ("Ein Schiff wird kommen", "Itsy Bitsy Teenie Weenie Honululu-Strand-Bikini", ...). Voll krasser Gegensatz.

Kino

Ja, ich war auch im Kino ;-) Das war relativ ungeplant und kurzfristig: ein Kollege, den ich auf der ASIS&T kennenlernte (ein Deutscher, der als Prof. in Australien arbeitet) plante sich, Zombieland anzuschauen. Und da an dem Abend (es war schon zehn) sonst nichts mehr los war, ging ich kurzentschlossen mit.

Der Film ist für Genreliebhaber (Braindead, Shaun of the Dead, ...) ein Pflichtfilm!

Ich hab mich schiefgelacht: der Film macht sich nicht groß die Mühe eines gefühlvollen Einstiegs - es geht gleich in medias res los ;-) Die Dialoge sind zum Schießen komisch, es gibt Seitenhiebe, die Schauspieler sind optimal besetzt und glänzen in ihren Rollen. Bill Murray hat wieder mal eine lässige (Neben-)Rolle: er spielt sich selber **g

Das war also insgesamt ein ziemlicher Spaß!

Wetter

Von Herbst bis Frühjahr scheint es in Vancouver standardmäßig Regen zu geben. Bei Null bis zehn Grad. Selten Minusgrade. Ich hatte in der ersten Woche ziemliches Wetterglück und auch die letzten beiden Tage waren fein, sodaß ich den Chinesischen Garten bei tollstem Wetter besuchen konnte, um geile Fotos zu schießen.

Der Regenumstand ist allgegenwärtig: in so gut wie jedem Geschäft kann man Regenschirme kaufen.

Radfahren in Vancouver

In Vancouver sieht man sehr viele Radfahrer. Und fast alle mit Helm!

Ziemlich praktisch fand ich auch, dass alle öffentlichen Busse vorne einen Radträger haben. So kann man vorm Einsteigen sein Rad dranmontieren und nach dem Aussteigen gleich mit dem Rad in der Stadt weiterfahren. Oft gibt es auch eingezeichnete Radspuren auf den breiten Straßen.

Rückflug

Den Rückflug trat ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge an: in Vancouver fand ich es ziemlich cool und auf mein Zuhause freute ich mich ebenso.

Mit fast drei Stunden Bufferzeit war ich sehr früh am YVR. Ich checkte ein und ging noch ein letztes Mal genüsslich Sushi-Essen. Ich schaute mich auch in den Geschäften am Flughafen und im Duty free-Bereich um. Dabei stellte ich fest, dass etliche Sachen im Duty free teurer waren als draußen. WTF!

Sehr fein war, dass am Flughafen im Vancouver WLAN gratis vorhanden ist. So konnte ich noch einige Tweets von meinem Twitter-Account abschicken, als ich auf das Boarding wartete.

Lustig fand ich dann am Lufthansa-Gate meines Rückfluges die deutsche Übersetzung von Boarding pass bei Durchsagen: "Einsteigeausweis". Also bitte.

Im Flugzeug gab es dann wieder das überliche Schulungsvideo für Notfälle mit Sauerstoffmasken und Ausgängen usw. Bemerkenswert war dabei allerdings, dass sie keine Schauspieler zum Demonstrieren verwenden, sondern computeranimierte Videosequenzen generiert haben. Ist das schon billiger im Computer?

Das Filmprogramm war gottseidank nicht das selbe wie beim Hinflug. Es gab aber auch Überschneidungen wie zum Beispiel "Selbst ist die Braut", wo ich mir dann doch noch das Ende anschauen konnte (das ich beim Hinflug versäumte). Da ich leider wieder nicht schlafen konnte (ich habe es wirklich probiert - mit Augenbinde und Ohrstöpsel!), war ich wieder ein ziemlicher Couchpotato: "Perlham 1 2 3", "Coco Chanel", "The Tmetravellers Wife", "Transformers 2" (wieder mal ohne Ende). Zu Essen gab es diesmal Tortellini (oder irgendwas mit Beef) und ein warmes Frühstück mit (u.a.) Eierspeise und Speck.

So verging die Zeit durchaus OK aber das Umsteigen in Frankfurt war ein Graus. Durch meine Müdigkeit, war ich irgendwie neben mir und wie im Rausch. Doch ich hab's geschafft und kam wieder ins richtige Flugzeug. In Graz war ich nicht wirklich in der Lage, mit dem Taxifahrer ein gescheites Gespräch zu führen.

Eine Kleinigkeit ist noch aufgefallen: ich erinnere mich von meinen früheren Flügen, dass viele Passagiere unmittelbar nach der Landung applaudierten. Ich fand's damals schon etwas seltsam und hab mir das mit der insgeheimen Flugangst und der damit verbundenen Freude des Wieder-heil-am-Boden-seins erklärt. Bei den Flügen jetzt hat kein einziger Passagier applaudiert. Das dürfte aus der Mode gekommen sein, denke ich.

Jetlag

Tja, mein Plan war, dass ich bis zehn Uhr munter bleibe und mich dann erst niederlege, um möglichst schnell wieder in den hiesigen Rhytmus zu kommen. Denkste. Um sechs am Abend konnte ich meine Augen nach ichweißnichtwievielen Stunden (über 24 jedenfalls) nicht mehr offen halten und ging ins Bett.

Jetzt ist es mittlerweile bald halb sechs und ich bin nach etwas Essen, dem Blogzeilenverfassen (inkl. kurzem Internetausfall dazwischen) und Filmschauen bald wieder etwas müde. In Vancouver ist es nun halb neun. Eventuell schlaf ich später noch ein paar Stunden, um am Vormittag noch aufzustehen und bestenfalls am Abend normal schlafenzugehen. Am Institut habe ich schon vorgewarnt, dass ich eventuell heute nicht komme. Und das ohne schlechtem Gewissen, denn in Vancouver hab ich jeden Tag mindestens eine Stunde gearbeitet, da ich viele dringende Emails wegen der Übung von mir bekommen habe. Also werd ich morgen vermutlich erst Mal den Jetlag loswerden, bevor ich für eine Vorlesung am Nachmittag aufs Institut gehe ...

Se Ehnd

Tja, das war nun meine Vancouver-Reise. Ich hoffe, ich konnte viel Interessantes und wenig blabla berichten. Details gibt es natürlich inklusive Fotos gerne auf Nachfrage bzw. bei Gelegenheit ;-)

http://karl-voit.at/temp/suderei/2009-11-16_Vancouver_Rest.png"

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