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Wissensverwaltung auf Papier und digital

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Der heise-Verlag hat mich wieder mit einem genialen Beitrag überrascht: Missing Link: Wenn der Kasten denkt - Niklas Luhmann und die Folgen

Niklas Luhmann war ein deutscher Soziologe und Gesellschaftstheoretiker. Er publizierte unglaublich viele Werke und sein zentrales Werkzeug war ein Zettelkasten. Der Kasten bestand aus 24 verhältnismäßig kleinen Kästen gefüllt mit tausenden von sehr dünnen A6-Zetteln. Die Zetteln sind alle mit einem interessanten Nummernsystem versehen beinhalten kurze Gedanken und Verweise.

Das für mich interessante dabei ist das Verständnis, dass der Zettelkasten kein Archiv ist, sondern ein Werkzeug, das neue Gedanken hervorbringt und Ausgangsbasis von Luhmanns produktiver Arbeit war.

Der Zettelkasten

Die einzelnen Zettel sind keine wertvolle Erkenntnis. Sie sind im Kontext der anderen Zetteln eine neue Information. Zufälligkeit und Entdeckbarkeit für Gedanken sind integraler Bestandteil der Sammlung. Inherente Erweiterbarkeit mit Vertiefung in unvorhergesehene Themen sind möglich. Dafür gibt es die Kombination von manuell geschriebenen Schlagwortregistern mit deren Verweise und den Verweisen auf darin referenzierten inhaltlichen Zetteln.

Und das alles auf Papier.

Hier ein fünfeinhalb Minuten langer Bericht über das Projekt der wissenschaftlichen Aufbereitung vom Zettelkasten:

Weiters interessant ist der Gedankengang, dass die Ordnung der Zettel an sich beinahe egal ist, solange man sie über Verweisketten finden kann. Selbst die Schlagwortregister sind nicht vollständig, sondern beinhalten nur die wichtigsten Einstiegspunkte. Darin unterscheidet sich der Zettelkasten von einer Volltextsuche, die potentiell sehr viele nicht relevante Ergebnisse liefert und die Perlen darin untergehen.

Wenn dich das Thema vom Zettelkasten genauso interessiert wie mich, dann wird dir der folgende 45-Minuten-Vortrag über Luhmann, den strukturellen Aufbau vom Zettelkasten und wie Luhmann damit interagiert hat:

Die Ordnung von Dingen

Ich erkenne da eine gewisse Parallele zu meiner wissenschaftlichen Arbeit mit TagTrees und tagstore. Die Ordnung von Information ist egal, solange man beim Suchen darauf zurückkommt. In anderen Worten: Nicht die Ordnung der Information zählt, sondern die Art und Weise, wie die Information neu aufbereitet wird, wenn man danach sucht.

Mit dieser Idee bekommt man auch einen vielversprechenden Hebel für die nach wie vor ungelöste Problematik, dass verschiedene Menschen verschiedene kognitive Modelle von "Information" und deren Struktur haben.

In der Praxis sieht man das sehr oft in Diskussionen, wie man Dateien benennt, Ordnerstrukturen gestaltet und Gliederungen findet, bei der mehr als eine Person beteiligt sind. Aus neutraler Sicht haben in der Regel alle Beteiligten Recht, verfolgend aber unterschiedliche Ansätze. Als "Lösung" wird meistens "vom Chef" eine gemeinsame Struktur entwickelt, an sie sich alle Beteiligten zu Halten haben.

Ich finde, wir brauchen unbedingt Systeme, die uns dabei unterstützen, dass eine jede Person mit ihrem eigenen, funktionierenden kognitiven Modell arbeiten darf!

Mein Ansatz

Ein vielversprechender Ansatz dazu ist das Bilden von Navigationsstrukturen wie TagTrees aufgrund von Schlagworten. Ich habe dazu mein Dateiverwaltungstoolset um eine simple Form von TagTrees-Funktionalität erweitert. Das ist in meiner persönlichen Praxis schon eine ziemlich tolle Hilfe. Hierzu habe ich noch sehr viele tolle Ideen. Nach und nach werde ich die eine oder andere davon in meinem Werkzeugkoffer implementieren.

Von den Problemen vom kooperativen Arbeiten zurück zur persönlichen Ebene, zum Zettelkasten.

Mein Zettelkasten ist - für die Stammleser meines Blogs kein Wunder - Emacs/Org-mode. Ich habe im Vergleich zu Luhmann ein stark abgespecktes Konzept für mein externalisiertes Gehirn. Im Gegensatz zu Luhmann verwende ich nicht so viel Zeit zur Pflege meiner Sammlung.

Ich komme ohne Schlagwortregister aus und nutze stattdessen die wunderbaren Möglichkeiten, mir Ansichten zu Informationen durch Suche, Sparse Trees, Agenda und so weiter bei Bedarf abzuleiten. Verweise sind natürlich mit Hyperlinks gemacht - auf andere Überschriften oder Dateien oder Web-Resourcen. Soweit komme ich ziemlich gut damit klar.

Ich wäre äußerst gespannt, was Luhmann zu einem Werkzeug wie Org-mode gesagt hätte.

Schleierhaft ist mir, wie die meisten Menschen es schaffen, ohne eine gepflegte Wissensbasis auf lange Sicht auszukommen.

Kommentare

2017-12-27 schickte Christian folgende Zeilen:

Ich wollte hier im Blog auch schon auf den Zettelkasten hinweisen, da ich vermutete, dass Dich das interessieren könnte. Ein interessanter Blog-Beitrag zur Arbeitsweise von Lumann findest Du auch hier:
https://strengejacke.wordpress.com/2013/08/30/arbeiten-mit-elektronischen-zettelkasten/
Darin wird auch das Problem von Kategorien vs. Schlagwörtern angesprochen.

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