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Paywall: Der digitale Tod der Zeitungen

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In letzter Zeit fiel mir auf, dass ich auf Twitter erwähnte Artikel der Kleinen Zeitung nicht lesen konnte.

Wir haben ein bissl gestritten in der Redaktion. Ein Pro u Contra zur Kampagne f #radhelme https://t.co/IEb931FzwC

— KLZWinter-Pölsler (@KLZWinter) June 22, 2017

Der Grund ist, dass die Kleine Zeitung beschlossen hat, das Internet nicht mehr kostenlos mit hochqualitativem Journalismus zu bereichern.

Bitte nicht falsch verstehen: Das kann ich durchaus nachvollziehen. Aus verschiedenen Gründen hat sich im Internet die Situation und damit auch die Erwartungshaltung etabliert, dass man Inhalte gratis beziehen kann, deren Erstellung durchaus reales Geld gekostet haben.

Ich möchte in diesem Beitrag das Problem anhand des Beispiels der Kleinen Zeitung betrachten, die als eine der bekanntesten Zeitungen in Österreich eine sogenannte Paywall eingeführt hat.

Digital-Abo der Kleinen Zeitung

Bei dem Artikel, den ich lesen wollte, wurde ich auf diese Seite mit dem Digital-Abo umgeleitet: »Nur 18,99 Euro pro Monat!«

Das grundsätzliche Problem bei dieser Art der Monetarisierung von Journalismus ist, dass ist mich entweder nur an ein Medium binde oder ich muss mir bei allen mich interessierenden Medien ein Abo kaufen. Das geht ins Geld.

Die knapp neunzehn Euro pro Monat sind nicht Ohne. Wenn ich das mit Dienstleistungen aus der Unterhaltungsbranche vergleichen darf, ergibt sich mir ein unausgewogenes Bild. Hofer life bietet um knapp acht Euro im Monat Zugriff auf über 40 Millionen Songs, über 15.000 Hörbücher und über eine Million eBooks. Amazon Prime bietet um knapp neun Euro pro Monat ebenfalls Millionen von Songs, mehr TV-Shows als man sehen kann und zusätzlich noch viele Filme. Netflix, der Platzhirsch bei Streamingdiensten von TV-Serien kostet knapp acht Euro im Monat.

Mir persönlich fehlt hier die Relation.

Der Fairness halber muss ich auch sagen, dass bei etwas Suchen auf der Kleinen-Webseite auch ein Digital-Abo um drei Euro aufgetaucht ist. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Abos dürfte die Bindungsfrist sein: ein Jahr im Vergleich zu keiner Bindung.

Gegenvorschläge

Ich möchte hier nicht nur wegen der Kosten von Journalismus sudern, sondern Lösungswege aus meiner Perspektive aufzeigen.

Zumindest Zusammenfassung der Kernaussage öffentlich und ohne Kosten erreichbar

Es wäre wohl auch für die Kleine Zeitung positiv, wenn zumindest die Kernaussagen eines Artikels (Abstract) öffentlich einsehbar sind. Der ausführliche Artikel kann sich dann weiterhin hinter der Paywall verstecken.

Angepasste Preisgestaltung

Den Vergleich mit der Unterhaltungsbranche habe ich bereits gezogen. Ich halte neunzehn Euro im Monat für ein einziges Medium für indiskutabel, weil man sich breit(er) informieren möchte und deshalb ab und zu bei etlichen Medien Artikel lesen will.

Micropayment

Der mir sympathischste Ansatz wäre ein System, mit dem man Kleinstbeträge im Cent-Bereich bequem, schnell und auf Privatsphäre rücksichtnehmend begleichen kann.

Hiermit könnten ein paar Cent pro Artikel verlangt werden, die nach verpflichtender manueller Bestätigung an die jeweiligen Zeitungen fließen.

So eine Lösung kann nicht von Kleine Zeitung (alleine) kommen, das ist klar. Leider sehe ich hier noch nichts dergleichen am Horizont. Von keiner Seite. Auch Bitcoin ist hier keine Option.

Auswirkungen

Aus den genannten Gründen werde ich die Kleine Zeitung nicht lesen und daher auch nicht mehr auf Twitter oder hier im Blog verlinken können. Jedes andere Medium mit Paywall wird das selbe Schicksal ereilen.

Ich drücke der Kleinen Zeitung trotzdem die Daumen, dass ihr das Konzept der Paywall nicht schadet. Es wäre ein herber Verlust für die Medienlandschaft insbesondere der Steiermark.

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