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macOS ist nicht billiger als die Alternativen

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Update 2016-10-23: Hinweise auf Antworten im heise-Thread

Mac&i von heise hat diese Woche wieder mal einen aufsehenerregenden Artikel veröffentlicht: IBM: Umstieg auf Macs hat sich gelohnt.

Darin beschreibt der Autor Ben Schwan, wie IBM durch die Einführung von Apple-Geräten statt Lenovo Notebooks »bis zu 543 US-Dollar pro Gerät« spart. Mit einer Behaltedauer von vier Jahren ergibt das immerhin noch fast 136 Dollar pro Jahr. »Reduziert seien insbesondere die Kosten für die Help-Desk-Betreuung, die Arbeitskosten und die Device-Management-Software.« Google geht auch in diese Richtung.

Das machte dann gleich in diversen Kreisen die Runde. Macs sind billiger als Windows! Macs sind billiger als Linux! Macs sind billiger als Lenovo! Und so weiter.

Ich will ja nichts sagen, aber ich sag's ja immer: https://t.co/KIKUzo6Oh6 #Mac #Apple #IBM #macOS

— Hendrik Erz (@sahiralsaid) October 21, 2016

macOS & Enterprise News: Debate over: IBM confirms that Macs are $535 less expensive than PCs https://t.co/aYYAWkiaPE #Mac #Windows #Apple

— Thomas Mitchell (@tmcstweets) October 23, 2016

Nun gut, sowas finde ich spannend. Wenn macOS auf Dauer wirklich billiger sein soll, möchte ich wissen, warum das so ist. Ich sehe keinen offensichtlichen Einsparungsfaktor bei Hardware oder Betriebssystem.

Aus den Kommentaren im Forum wurde ich auch nicht schlauer. Glücklicherweise sind die OS-Bashing-Trolle nicht mehr so vorherrschend wie noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. Doch auch dort brachte mir die Diskussion keine zufriedenstellende Erklärung, weshalb Apple-Hardware mit macOS billiger sein soll.

Also schaute ich mir den verlinkten Vortragsschnipsel auf YouTube an:

Das ergab schon ein ganz anderes Bild.

Meiner Meinung nach haben die bei IBM für Macs eine neue Art der Provisionierung eingeführt, das ohne Firmen-Image auskommt und beim Mitarbeiter entsprechendes Setup nachholt. Diese Vorgehensweise spart das manuelle Aufsetzen von Firmen-Images, das Zwischenlagern der bereits damit ausgestatteten Rechner und einige andere Dinge. Clever, das muss ich schon sagen.

Weiters stellten sie ihre Strategie für den Support komplett um: anstatt ein auftauchendes Problem im Hintergrund einfach zu beseitigen, geben Support-Mitarbeitern den Nutzern Hilfe zur Selbsthilfe, sodass sich die IBM-Mitarbeiter in Selbsthilfe-Manier vermehrt untereinander aushelfen können.

Allerdings kann man das alles genau gleich auch bei anderen Computern oder Betriebssystemen machen.

Insofern ist der Vergleich aufgrund dieser beiden Ansätze kein Vergleich von Betriebssystemen oder Notebook-Hardware. Es ist ein Vergleich von »so haben wir es früher erdacht und bislang so gemacht« mit »diese tolle Optimierung ist uns bei der Einführung der Macs eingefallen«.

Was ich mir noch vorstellen kann ist, dass IBM auf Windows einen Haufen alter, schlecht supporteter Lösungen betreibt, die nie auf macOS portiert worden sind. Dadurch kann man Kosten beim Support einsparen. Auch wieder kein OS-Argument, wenn man einfach Mitarbeitern Zugang zu problemverursachenden Anwendungen einfach kappt. Wie gesagt, das ist meine Vermutung. War aber in München bei LiMux (Stichwort »Fachverfahren«) auch so ähnlich.

Nebenbei bemerkt: was soll das mit »Macs vs. PCs«? Das ist Marketing-Bullshit aus der Werbung. Wir reden hier entweder von Hardware oder von Betriebssystemen. Bei letzteren unterscheidet man nicht zwischen macOS und Rest, sondern hier muss man konkreter werden: Windows + Versionsangabe, Linux + Distribution + Versionsangabe, macOS (pinned version, OTA-updated, filtered updates).

Also nochmal: kann gut sein, dass Macs im Betrieb (TCO) wirklich billiger sind als andere Lösungen - die hier nicht gut genug definiert wurden. Jedoch hat dieser Beitrag von IBM keinerlei allgemeine Aussage dazu möglich gemacht, da die beiden Optionen sehr unterschiedlich eingesetzt wurden.

Jedem Wissenschaftler stellen sich beim verallgemeinerten Schlüsseziehen bei solchen »Vergleichen« die Haare auf.

Und ich finde es schade, dass heise hier wieder ein Beispiel von schlechtem Journalismus abliefert.

#heise ist im deutschsprachigen Bereich immer noch Top aber sie haben abgebaut. Gute Zusammenfassung im Forum: https://t.co/rpUvNVxR6a

— Karl Voit (@n0v0id) October 23, 2016

Dieser Beitrag findet sich auch in abgespeckter Form im heise-Forum.

Update 2016-10-23: im heise Forum konnte ich dazulernen. Offenbar ist es so, dass der ganze Clou an der Sache Apples Angebot ist, eine neue Hardware mittels Mobile Device Management (MDM) in das Unternehmen einzubinden. Dazu muss es vorab im Ziel-Unternehmen nicht ausgepackt und entsprechend konfiguriert werden (PDF mit Details).

Wusste ich nicht, dass es abseits von Apple sowas offenbar nicht gibt. Da bietet intel ME immerhin ein mächtiges Rootkit an und dann leistet es offenbar nicht mal diese Kleinigkeit. Und selbst wenn: ich hätte IBM es zugetraut, solch eine Funktion bei seinen Lieferanten in die Geräte zu bekommen oder es selbst mit minimalem Aufwand zu schaffen. Schließlich meint IBM ja, dass es in solchen Bereichen Know-How-Träger ist. Ändert aber an meiner Kritik von oben daher nichts Wesentliches.

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