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Graz als Hauptstadt der ungestörten Fahrraddiebe

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Gewusst haben wir es hier in Graz alle schon irgendwie, die Zahlen der letzten Jahre zeigten die Tendenz eindeutig und auch für 2014 wird in einem Artikel auf ORF Steiermark aufgezeigt, dass Fahrraddiebe in Graz ein tolles Leben haben. 28.274 angezeigte Fahrrad-Diebstähle im vorigen Jahr. Das sind auf hundert Einwohner umgerechnet über ein Raddiebstahl pro Einwohner - in nur einem Jahr.

Unterbesetzte Polizei

Mario Eustacchio (FPÖ) meint, "dass die Polizei bei uns völlig unterbesetzt ist, mittlerweile sehr stark mit irgendwelchen Verwaltungsaufgaben beschäftigt ist und sich um die richtigen polizeilichen Aufgaben oft nicht einmal kümmern kann. Es betrifft ja nicht nur den Fahrraddiebstahl, sondern vieles andere auch."

Ich kann nicht beurteilen, wie unterbesetzt die Grazer Polizei wirklich ist. Jedoch bin ich absolut skeptisch, ob ein Aufstocken der Polizeikräfte irgendeine Verbesserung bei der Aufklärung oder Verhinderung von Fahrraddiebstählen bringen würde. In den letzten Jahrzehnten kam mir kaum irgendeine Aktion unter, wo die Polizei nennenswert etwas gegen den florierenden Raddiebstahl unternommen hat. Gegenargumente nehme ich bei den Kommentaren unten sehr gerne entgegen!

Pickerl gegen hohe Fahrraddiebstahl-Rate

Der ORF-Artikel erwähnt weiters, dass nach Eustacchio die Stadt bereits auf die hohe Fahrraddiebstahl-Rate reagiert hat: "Wir haben gemeinsam mit der Polizei eine Aktion gestartet, wo Fahrräder registriert werden können, die werden dann auch mit einem Pickerl versehen - das heißt, das sollte dann schon einmal für Diebe abstoßend wirken, und auf der anderen Seite kann schnell festgestellt werden, wem dieses Rad gehört."

Demnach muss ich Herrn Eustacchio als auch der Polizei leider den gesunden Hausverstand aberkennen, da diese Pickerl-Aktion wie auch schon die bereits eingestellte (aufwändige) Laser-Gravur-Aktion oder die obskuren Punkte rein gar nichts bringen.

Pickerl sind rasch entfernt und gestohlene Räder landen meist ohnehin im nahen Ausland.

Im optimistischsten Fall erleichtern diese Maßnahmen ausschließlich die Retournierung zum Besitzer. Die Rahmennummer eines Fahrrades bringt aber genauso viel - sofern die Polizei mit den gestohlenen Rahmennummern effektiv umgehen würde.

Einen Diebstahl verhindern Pickerl wirklich nicht.

Fehlender Wille zur effektiven Diebstahlsbekämpfung

Die wenigen Zeitungsartikel von der Aufklärung von Raddiebstählen sind augenscheinlich Zufallsfunde.

Organisierte Kriminalität erfordert organisierte Gegenmaßnahmen wie zum Beispiel durch eine Sonderkommission. Es müssen nicht viele Beamten in dieser Sonderkommission sitzen. Ich denke nicht, dass sich die 28.274 Diebstähle (allein 2014!) auf mehr als ein Dutzend organisierter Diebesbanden aufteilen.

Mit organisatorischen als auch technischen Mitteln kann man so ein Problem durchaus effektiv und effizient angehen. Beispielsweise kann man eine Auswahl "normaler" Fahrräder mit versteckten GPS-Geräten ausstatten, die das Verfolgen auf LKWs ermöglichen. Solche Geräte gibt es inzwischen klein und billig genug am freien Markt zu kaufen.

Natürlich ist es hilfreich, wenn man grenzübergreifend mit Behörden zusammenarbeitet, um nicht nur die kleinen Fische, sondern die Hintermänner der Diebstahlsmafia zu bekommen.

Ich erwarte mir also nicht nur Zeitungsmeldungen, wonach ein Drogencheck im Stadtpark zufällig ein gestohlenes Fahrrad seinem Besitzer retourniert werden konnte. Hier sind Zeitungsartikel gefragt, wonach hunderte Raddiebstähle auf ein Mal aufgeklärt und eine ganze Bande international ausgehoben werden konnte.

Wir sprechen bei 28.274 Diebstählen mit einen von mir angenommenen Durchschnittspreis von 600€ von einer Diebstahlsschadenssumme von beinahe siebzehn Millionen Euro. Pro Jahr. Nur in Graz.

Selbstschutz gegen Raddiebstahl

Mit dem Unwillen der Behörden müssen wir offenbar noch auf absehbare Zeit leben. Deshalb bleibt kurzfristig nur der effektive Selbstschutz, über den ich bereits gebloggt habe. Bitte lesen.

Mit Radversicherungen habe ich leider keine guten Erfahrungen gemacht, wenn es denn wirklich darauf ankommt. Ich vertraue denen daher nicht, dass ich im Schadensfall mein Geld sehe.

Zu oft hörte ich auch von Freunden, deren Rad beispielsweise aus dem versperrten Kellerabteil gestohlen wurde und die Versicherungen sich mit Bezug auf obskuren Klauseln weigerten, den Schaden zu bezahlen.

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