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Darum Life-Logging

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(Dieser Beitrag entstand als Posting im heise-Forum.)

Lifelogging ist keinesfalls nur etwas für Spinner. Ohne, dass man das mal ernsthaft ausprobiert hat oder sich tiefer damit auseinandergesetzt hat, wird man wohl dazu tendieren, ein falsches Vorurteil zu haben.

Viele Menschen betreiben Lifelogging, weil sie zum Beispiel chronischen Erkrankungen durch penibles Loggen der Essgewohnheiten auf den Grund gehen wollen. Manche machen Lifelogging nur deswegen, um eine Motivation für Veränderungen zu haben: die Strichliste von konsumierten Kaffees um den Kaffeekonsum zu reduzieren; die Tage, an denen Sport betrieben wurde, um sich mehr zu bewegen; und so weiter.

Manche machen Lifelogging, weil sie das Gefühl haben, die Daten später eventuell gut brauchen zu können. Daten über sich zu speichern kostet quasi nichts mehr im Gegensatz zu früher. Und wenn man die Daten automatisiert bekommt, braucht es da nicht mal einen laufenden Arbeitsaufwand. Daher kann man sehr viele Daten sammeln, auch wenn man jetzt bereits weiß, dass man die überwiegende Mehrheit der Daten nie brauchen wird. Der Punkt ist: man weiß aber auch nicht, welche der gespeicherten Daten man nie brauchen wird und welche sehr wohl einen Nutzen haben werden.

Ich bin auch mal ein paar Wochen mit einer ausgeborgten SenseCam herumgelaufen. Dabei habe ich als Personal Information Manager sehr viel gelernt. So eine Kamera, die automatisch Bilder macht ist schon sehr praktisch, wenn man Probleme hat, sich Gesichter zu merken. Nicht, dass ein einzelnes Bild von großem Wert wäre - es sind die Eindrücke und die Tagesabläufe, die nicht zuletzt auch bei Alzheimer-Patienten für ein besseres Erinnern helfen.

Aber auch aus sentimentaler Sichtweise ist Lifelogging hilfreich. Wäre es nicht toll, wenn man aus der ich-Perspektive Bilder des gesamten Tagesablaufes des ersten Schultages, des Tages der Matura (Abi für die Deutschen) oder des Einzugs in die erste eigene Wohnung hätte?

Im Gegensatz zu der Ansicht von Viktor Mayer-Schönberger (siehe dazu sein Buch Delete: The Virtue of Forgetting in the Digital Age) ist es nicht zwangsweise so, dass man seine gesammelten Daten immer nur in der Cloud aufbewahren muss. Ich selber lösche fast nichts, archiviere fast alles und habe kaum Daten von mir in irgendeiner Cloud. Das bedeutet natürlich, dass man Verständnis, Bewusstsein und Wissen aufgebaut haben muss, um Lifelogging-Vorteile zu bekommen, ohne, dass man Daten an Cloud-Anbieter verschenkt. Siehe auch das Video einer Podiumsdiskussion zu diesem Thema.

Eine gewisse Einschränkung muss man in direkter Folge hier ebenfalls akzeptieren: Gadgets, die standardmäßig ihre Daten nur in die Cloud schicken, um auf Webseiten die Auswertungen zu sehen, sind dann ein No-Go. In diese Kategorie fallen die meisten Geräte/Services von Google und Apple, Lifelogging-Personenwaagen, Aktivitätsarmbänder und so weiter.

Es gibt noch sehr viel zu diesem Thema, das verschiedene Sichtweisen erklärt. Lifelogging generell als Spinnerei zu verurteilen ist eine sehr naive Sichtweise. Klarerweise gibt es bedenkliche Hypes, kommerzielles Ausnutzen und wirklich sinnlose Dinge. Wichtig ist dabei nur, dass man das Thema differentiell betrachtet und nicht von vorn herein negativ belächelt.

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