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Mit dem eBike pendeln (Herbst/Winter-Edition)

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Update 2015-12-03: URL Radfahren im Winter

Seit September arbeite ich im IBC am Schwarzlsee in Unterpremstätten. Von Graz aus pendle ich die knapp dreizehn Kilometer seither täglich mit dem eBike. Die bisher siebzehn Ausnahmen (Bus oder Mitfahrgelegenheit) waren meist wegen starkem Niederschlag oder wegen eBike beim Service notwendig.

Du solltest vielleicht auch meinen Artikel zum eBike-Kauf mit Erfahrungsbericht gelesen haben.

Hier berichte ich, mit welcher Ausstattung ich wunderbar durch den eBike-Winter gekommen bin.

Natur

Die Wintersaison 2013/2014 war äußerst milde. Es gab selten Tiefsttemperaturen und auch der Niederschlag hielt sich stark in Grenzen.

Um das Wetter kurzfristig abschätzen zu können helfen mir mein AIX Weather Widget (Android) und das Wetterradar. Es gäbe auch noch das Radlwetter von ZAMG, das allerdings bei meinen Browsern schon längere Zeit nicht mehr funktioniert.

Einzig und alleine die schöne Eislandschaft im Februar 2014 wäre ein Handicap gewesen. Mit der richtigen Ausrüstung jedoch nicht.

Ausrüstung

Spikes

Im Herbst gönnte ich mir aufgrund von Empfehlungen Spike-Mäntel für mein eBike. Die Originalmäntel sind Semi-Slicks und somit für den Winter absolut ungeeignet.

Der Kotnik hatte Schwalbe Winter lagernd, die mit Spikes auf beziehungsweise am Rande der Lauffläche ausgestattet sind:

Es gibt dann auch noch Spike-Mäntel, die nur außen bestückt sind und welche, die überall Spikes haben.

Der Roll-Widerstand mit Spikes auf der Lauffläche ist merklich höher. Mein Bauch und mein Akku würden es auf ungefähr ein Drittel mehr einschätzen.

Wenn ich mir noch einmal Spike-Mäntel aussuchen sollte, würde ich eventuell ein Modell probieren, das nur außen mit Spikes bestückt ist. Ich schätze, das beim Rutschen die äußeren Spikes gut greifen, man aber durch die außenliegenden Spikes weniger Roll-Widerstand hat.

In der Praxis erwiesen sich die Spike-Mäntel als sehr empfehlenswert. Gerade wenn sich Eis unter Schnee versteckt oder auf exponierten Brücken mit nassem Holz sind sie eine extrem gute Versicherung. Aus diesem Grund war auch das wunderbare Schauspiel der Welt aus Glas im Februar (siehe Foto-Galerie aus Slovenien: dickes Eis überall!) überhaupt keine Gefahr für mich.

Aber auch Spikes haben ihre Grenze und Nachteile. Der Bremsweg auf nassem Asphalt ist größer, wenn man ins Rutschen gerät. Vorsichtig muss man auch mit Spikes sein.

Licht

Das mit dem Winora T3 mitgelieferte Licht war ein Segen. Noch nie hatte ich ein so gutes Licht. Bei meinem Nachhauseweg am Murradweg im Finsteren ist das auch absolut notwendig.

Bei diesem gehobenen Preis hätte ich wohl nie zu geschlagen, wenn es nicht in der recht guten Grundausstattung meines eBikes bereits dabei gewesen wäre.

Das einzige Problemchen wäre, dass der Scheinwerfer bei Nachtfahrt in einer 90-Grad-Kurve den Kurvenbereich nicht ausleuchtet. Das bedeutet, dass der Lichtkegel erst in der Ferne breiter wird und im Nahbereich nur schmal ist.

Was ich noch berichten muss ist, dass sich offenbar entgegenkommende Radfahrer des öfteren bei mir beschwerten, dass ich sie blende. Doch habe ich darauf geachtet, dass der Lichtkegel immer unterhalb ihres Kopfbereiches geblieben ist. Ich denke, dass die Lichtausbeute des Scheinwerfers so ungewöhnlich hoch ist, dass auch der sekkundäre Lichtkegel ausreicht, um etwas zu blenden.

Weiter runter kann ich den Scheinwerfer aber nicht stellen, da ich sonst die diversen Gefahren (siehe unten) am Murradweg nicht rechtzeitig erkenne.

Gewand

Da ich in der Firma nicht duschen möchte, muss ich hier jeweils das passende Gewand wählen, um trotz eBike-Antrieb nicht ins Schwitzen zu kommen. Andererseits möchte ich auch nicht zu viel frieren.

Bis in den November hinein waren die Temperaturen im positiven Bereich. Meine typische Ausstattung dafür ist eine Jeanshose, ein weißes T-Shirt, dass ich im Büro unter dem Hemd trage, ein mehr oder weniger dünner Pullover und meine dünne Salomon-Jacke gegen Wind und Nässe:

Die Salomon-Jacke war zwar schweineteuer aber sie ist wirklich toll. Trotz fehlendem Innenfutter schwitze ich nicht, selbst wenn sie auf der Haut aufliegt. Das ist nur eine atmungsaktive Membrane gegen Wind und Wasser. Die Wärme kommt dann von den inneren Schichten, die ich frei anpassen kann.

Als dann die Temperaturen weiter fielen und auch ein dicker Pullover unter der Salomon-Jacke zu kühl wurde, bin ich auf meine gefütterte Winterjacke umgestiegen. Das ist eine von s.Oliver (selection steht innen drin). Die ist die erste Winterjacke, in der ich nicht übermäßig schwitze, wenn es wärmer ist (GVB, kurz in einem beheizten Raum, Bewegung beim Radfahren, ...). Hab hier leider keinen URL gefunden. Wenn es wirklich kalt war, habe ich die Jackenkaputze über den Radhelm drübergezogen und vorne beim Hals den Kragen zugeknöpft.

Gegen wenig bis mäßigen Regen, nassen Nebel und auch gegen kalten Fahrtwind schützt mich meine Regenüberhose.

Zusätzlich habe ich mir im Herbst auch noch dünne Fahrradüberschuhe gekauft: HT endurancs XC1 - vermutlich irgendeine Eigenmarke, da ich im Internet nichts dazu fand. Zur Auswahl musste ich etliche Modelle in einigen Geschäften ausprobieren, bis ich ein akzeptables Produkt fand. Einserseits musste ich deutlich größere Modelle finden, damit ich sie über meine 43-Waldviertler-Schuhe drüberbekam. Und andererseits gibt es offenbar viele Modelle, wo das An- und Ausziehen eine fürchterlich umständliche Qual ist. Der negative Höhepunkt war, dass beim Kastner ein Verkäufer beim demonstrativen Anziehen auf meinem Schuh ein neues Modell sogar beim ersten Versuch zerrissen hat. Bei Überschuhen daher unbedingt mit den beim Radfahren verwendeten Schuhen selber testen!

Die Überschuhe sind wunderbar, wenn es Niederschlag gibt oder wenn die Fahrbahn nass ist. Aber auch bei nassen Nebel sind sie Pflicht. Damit schont man den Schuh ungemein. Ebenso ist ein Überschuh gegen Minustemperaturen ein guter Schutz.

Nach dieser Wintersaison zeigen meine Überschuhe allerdings Auflösungserscheinungen. Da wird wohl im Herbst noch ein Paar um ungefähr 35 bis 50 Euro fällig.

Unter ungefähr fünf bis zehn Grad Celsius braucht man für den Fahrtwind Handschuhe. Wenn meine dünnen Lederhandschuhe nicht mehr ausreichen, habe ich Windstopper-Handschuhe von The North Face in Vancouver gekauft. Nebenbei bemerkt: Das Feature, dass man einen Touch-Screen damit bedienen kann, ist aus meiner Sicht sinnlos, da ich ohnehin den Handschuh ausziehen muss, um das Handy wo rauszuholen.

Mit Glatze ist das Thema Kopfbedeckung ein besonders heikles. Natürlich fahre ich nur mit Fahrradhelm. Auf dem habe ich folgenden Schutz drübergestülpt:

Das Teil schützt nicht nur gegen Wasser: auch wird damit der Fahrtwind deutlich abgehalten und man fährt dadurch drei Kilometer pro Stunde schneller. (Scherz.)

Unter dem Fahrradhelm trage ich dünne Hauben aus Funktionsmaterialien. Zwei, die ich mir fürs Pendeln im Herbst zusätzlich gekauft habe sind:

Den großen Unterschied im Preis und die unterschiedlichen Dinge in den Beschreibungen kann ich nicht nachvollziehen. Ich finde beide ziemlich gleich gut. Falls ich damit selten aber doch ins Schwitzen komme, leiten sie einiges an Feuchtigkeit nach außen ab. Sie bieten auch genug an Wärme für den kalten Winter. Nach dem Waschen (mit der Hand im Waschbecken) sind sie auch schnell wieder trocken.

Schal verwende ich nicht mehr, seit dem ich einen dünnen Schlauchschal habe:

Im Gegensatz zu einem dichten/dicken Schal schwitze ich weniger drunter. Das Teil ist ausreichend gegen Fahrtwind und Kälte. Was ich sehr schätze ist, dass ich - je nach Temperatur und Witterung - den Schlauchschal mehr oder weniger in das Gesicht ziehen kann. Am Hinterkopf überlappt er mit meiner Haube und schützt die Ohren doppelt. Für mich inzwischen unverzichtbar.

Beim Radeln trage ich meine Sportbrille von Jill, die ich vor Jahren beim Hartlauer gekauft habe. Preis/Leistungsmäßig sind sie vermutlich einzigartig, da ich damals um weniger als hundert Euro eine stylish aussehende Sportbrille mit Wechselbaren Gläsern (hell/dunkel), optischen Brilleneinsatz und Versicherung bekommen habe. Da meine normale Brille eher schmal ist, freue ich mich über die Jill besonders: eng anliegend und abschließend schützt sie meine Augen vor Fahrtwind, Regen aber auch kleinem Flugvieh.

Ärgernisse und Gefahren

Viele Leute gehen davon aus, dass die tiefen Temperaturen und der viele Schnee die Haupthindernisse fürs Fahrrad- oder eBike-Pendeln im Winter sind. Doch halte ich beide für vernachlässigbar.

Deutlich schlimmer sind andere Dinge. Für sehr bedenklich halte ich das Verhalten einiger Personen, die am unbeleuchteten Murradweg zwischen Graz und dem Murfeld (Lebern/Abtissendorf) grob fahrlässig unterwegs sind: keine Lampe/Beleuchtung, keine reflektierenden Elemente an der Kleidung und leider auch im Regelfall einen schwarzen Hund mit schwarzer Hundeleine, der gegebenenfalls dieselbe auch quer über den Radweg spannt.

Auch leider sehr beliebt sind Hunde am Radweg gänzlich ohne Leine. Ich musste schon sehr oft Notbremsungen machen, als ein Hund plötzlich seitlich aus dem Unterholz vor mir auf dem Radweg erschien. Ich habe bereits auf ähnliche Art in den letzten zehn Jahren zwei Hunde anfahren müssen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich das nächste arme Tier erwische. Schuld sind aus meiner Sicht nur die Hundehalter, die verantwortungslos agieren.

Ärgerlich ist im Winter, wenn durch nassen Nebel oder Nieseln der Niederschlag sich auf der Sportbrille anlegt. Wenn die Temperatur entsprechend ungünstig ist, wird dadurch die Sicht konstant schlimmer. Nicht selten musste ich pro Fahrt ein paar Mal stehenbleiben, um die Sportbrille wieder freizuputzen.

Fazit

Pendeln mit dem Fahrrad ist auch im Winter kein Problem. Ich musste vermutlich nicht öfters auf den Bus umsteigen als im Sommer wegen starkem Regen.

Als Morgenmuffel bin ich im Büro durch das morgendliche Strampeln an der frischen Luft zumindest halbwegs zurechnungsfähig. Ich bekomme damit auch viel mehr von den Jahreszeiten mit.

Ich habe einige Leute täglich am Radweg wiedergesehen, die offenbar ganzjährig zwischen Graz und dem Grazer Umland mit dem Fahrrad pendeln.

Also: keine Ausrede zählt - rauf auf's Fahrrad!

Nachtrag 2015-12-03: Die Radlobby hat zum Thema Radfahren im Winter recht gute Tipps online gestellt.

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