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Aphonie

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Aphonie - damit hab ich mich jetzt mal ausgiebig in der Praxis beschäftigt: ich schwieg.

Oh, ich habe nicht mein Temperament verändert und bin auch nicht einem Schweigegelübte gefolgt: diese akustische Askese war mir biologisch auferlegt worden. Letzte Woche war ich krank und als kleines Vergißmeinnicht fasste ich einen anschließenden Stimmenverlust aus. Von Sonntag bis Mittwoch war meine Stimme einfach weg.

http://karl-voit.at/temp/suderei/2010-12-16_Shhhh.jpg"

Sowas war für mich eine interessante Erfahrung, wie man so schön sagt. Bin ja weithin als "nicht aufs Maul gefallen" bekannt und kann mich oft nicht zurückhalten. Jetzt musste ich.

Da ich nicht gänzlich kommunikationslos vegetieren konnte, bastelte ich mir einen Stapel mit acht mal fünf Zentimeter großen Papierkärtchen, auf die ich mit meinem Kugelschreiber kritzeln konnte. Einige Standardfloskeln haben sich rasch etabliert. Die blieben als Fixposten vorne für den Schnellzugriff. Und so schaute mein Stapel in etwa aus:

  1. Hallo!
  2. Entschuldige bitte: ich habe derzeit keine Stimme!
  3. Haha, lustig!
  4. ein Smiley und auf der Rückseite ein Frownie
  5. Einmalige Gelegenheit
  6. Wäre doch bloß die Gebärdensprache ein Pflichtfach für alle ...
  7. Schönen Gruß!
  8. Du schaust gut aus!
  9. Zu mir oder zu dir?
  10. Wie war ich?
  11. Ich dachte mir schon, daß du meine Karten durchstöbern wirst ;-)

Nummer eins und zwei waren der Klassiker am Anfang jeder Begegnung. Dazwischen brauchte ich die Karten durchaus öfters in einer "Unterhaltung". Nummer neun bis elf haben mir so manchen Lacher eingebracht bei allen neugierigen Nasen, die meinen Stapel gleich mal an sich gerissen haben, um ihn durchzuschauen.

Am Dienstag war dann die Weihnachtsfeier von unserem Institut. Zuerst wollte ich ja nicht gehen aber dann haben mich einige Kollegen so nett gefragt, dass ich dann doch noch mitgegangen bin.

Keine Frage, mit so einem Zettelwerk und ohne Stimme ist man ein running gag am Tisch einer Weihnachtsfeier. Zum besseren Mitschreiben hab ich dann auf meinem Palm-PDA gekritzelt. Mit der LCD-Hintergrundbeleuchtung konnte man meine Mini-Sätze besser lesen als auf den Zetteln. Mein Android-Handy ist in so einem Fall zu vergessen: viel zu lange braucht man zum Tippen.

Am Mittwoch hätte ich einen LaTeX-Kurs für Fortgeschrittene halten sollen. Doch ohne Stimme ist das ein sinnloses Unterfangen. Ich musste leider absagen.

Heute Donnerstag kam dann meine Stimme etwas zurück. Ich konnte leise aber doch sprechen. Was für eine Wohltat, sich endlich wieder akustisch verständigen zu können!

Sowas hatte ich noch nie, soweit ich mich erinnere. Und solange es auch nur bei dem einen Mal bleibt und nicht periodisch wiederkommt ist Aphonie auch nichts unbedingt etwas Schlimmes. Irgendwas hat meine Stimmbänder beleidigt. Doch momentan schaut es danach aus, dass sich die Sache in den nächsten Tagen normalisieren wird.

Meine Therapie? Schweigen, Tee mit Honig, heiße Zitrone, ein Mal Inhalieren mit Kamille, Lutschen von ipalat Halspastillen, Rollkragenpulli bzw. Schal.

Und es geht: man kann auch stumm duschen!

http://www.Karl-Voit.at/temp/suderei/2010-12-16_Aphonie.png"

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