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Das Eels-Konzert im Orpheum

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Am Montag war ich beim Eels-Konzert im Grazer Orpheum. Kurz und gut: meine Erwartungshaltung war eine andere.

Ich liebe die Studio-Alben wie zum Beispiel "Beautiful Freak", "Daisies of the Galaxy" oder "Electro-Shock Blues". Sehr sogar. E bekleidet seine dunkelschwarzen Texte mit einem Klangerlebnis, das durch Einbindung von teils geklauten Soundschnipseln unheimlich an Ausdruck gewinnt. Ein gutes Beispiel ist hier "My Descent into Madness" vom Album "Electro-Shock Blues".

Mit einem sehr positiven und neugierigem Etwas bepackt stand ich da im Publikum und freute mich auf eine gelungene Metamorphose auf die Bühne vor mir.

Erste Vorgruppe war dann ausgerechnet ein ... Bauchredner. Pfuh. Der arme Kerl hatte es wirklich schwer. Angeblich hat sich E explizit einen österreichischen Bauchredner gewünscht. Ich schiebe das jetzt mal auf E's berüchtigtem Sinn für Schräges.

Danach hat sich Alice Gold alleine mit ihrer Gitarre bewaffnet dem nach Musik lechzendem Publikum gestellt. Die Stimme war beeindruckend, ihr Stil sympatisch. Doch mir fehlte der Rest der Band, damit ihre fetzigen Songs so richtig einfahren.

Sodala, nun hiess es wiederum warten. Wie auch schon in den "Pausen" zuvor kam aus den (für diesen Zweck viel zu lauten) Boxen ein sehr schrulliger Mix aus 70er-Schlagertrash, symphonisch salopp vertonten Beatles-Klassikern garniert mit einigen seltsamen akustischen Beigaben, die insgesamt durchaus das Zeug hatten, das Publikum etwas zu verstören.

Irgendwann kam dann el Maestro auf die Bühne: in einem weißen Jetanzug mit seinem ausdrucksstarken Vollbart, Sonnenbrille und einem Kopftuch, das er sogar über die Brille knapp über die vermutete Augenposition gezogen hat. Man hat den Eindruck, dass er sich trotz exzentrischer Bühnenshow vor den anderen verstecken will. Der Mann ist einfach vom Schicksal gezeichnet.

Die aktuellsten drei/vier Alben (E war sehr produktiv die letzten Jahre) kenne ich leider noch nicht so wirklich. Aber selbst die alten Songs, die ich kennen sollte, habe ich nur extrem schwer und oft erst bei der zweiten Strophe oder so wiedererkannt. Das stimmungsvolle "I like birds" tauchte sein Schöpfer höchstpersönlich in eine beats-per-minute schluckende Trash-Punk-Suppe. Das Publikum hat trotzdem mitgesungen. Naja. Zumindest diejenigen, die dabei mitgekommen sind.

Etliche Songs, die ich mir erhofft habe, waren nicht auf der Setlist. So glaube ich jedenfalls. Ganz sicher war ich mir nach dem Sezierungsergebnis von "I like birds" ja nicht mehr.

Nun gut. Es ist ein Live-Konzert und es wäre ja öd, wenn alles 1:1 so klingen würde wie auf der CD. So lauschte ich offen weiter der Show.

http://www.Karl-Voit.at/temp/suderei/2010-09-13T20.40.10_Eels.jpg"

"Summer in the City" gefiel mir sehr gut. E covert also auch. "My Beloved Monster and Me" war mir wieder zu funkig verhunzt.

Generell war die Darbietung sehr Rock'n Roll-lastig. Doch das ist auch was Feines für sich. Die anderen Fans schienen mein Handicap der falschen Erwartungshaltung keineswegs zu teilen. Die Stimmung war gut.

Irgendwann hab ich mich dem Klangerlebnis einfach hingegeben und nicht mehr verzweifelt an das Ding namens "Eels" gedacht, das ich kannte. Da war halt eine Band und die spielte was anderes. Auch gut. Fünf junge Leute, die auf ZZ-Top machten. Musik- und Bart-mäßig. Vier Gitarren und ein Drumset. Das verspricht laute fetzige Musik. War so.

Zwischendurch ein paar (zu) wenige ruhige Nummern ließen die Erinnerung an "meine" Eels wieder hochkommen. Wurden aber gleich wieder mit der folgenden Nummer weggerockt.

Alles in allem war's ein tolles Konzert! Nur Eels konnte aus irgendeinem Grund halt nicht kommen und lies sich von ZZ-Top vertreten. Ein kleines wenig Wehmut kann ich mir nicht verkneifen.

Die Kritik vom Standard fand ich auch nicht schlecht. Darfst du auch lesen ;-)

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