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Optimierung des Stromverbrauchs daheim

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Energieverbrauch wird ein immer wichtigeres Thema in unserer Zeit: Low-power-Geräte kommen vermehrt auf den Markt, Standards und Labels für Niedrigverbrauchsgeräte werden mehr und nicht zuletzt steigen auch die Kosten für Energie. Daher entwickeln die Leute vermehrt ein Energiebewußtsein.

Es ist also höchte Zeit für mein Energiebewußtsein :-)

Als ersten Schritt besorgt man sich daher ein Verbrauchsmeßgerät und schaut sich mal daheim um, was denn so die Geräte ungewollt an Strom benötigen. Danach habe ich die Messungen ausgewertet und meine Schlüsse für ein Energiekonzept gezogen. Bei der Umsetzung kommt der Teufel natürlich erst im Detail ans Licht.

Wer mißt, mißt Mist

Ein gutes Strommeßgerät zu besorgen ist offenbar keine triviale Sache: Ich kaufte mir zuerst im lokalen Baumarkt ein 10-EUR-Meßgerät, das an sich gute Meßgenauigkei versprach: PM30.

Mein Fehler war, dass ich der Verpackung tatsächlich geglaubt habe und daheim fleissig alle meine Geräte durchgemessen habe. Einige Monate später las ich in der Zeitschrift c't in einem empfehlenswerten Artikel, dass man billigen Strommeßgeräten nicht immer trauen darf. Als Empfehlung wurde das Gerät Energy Check 3000 von Conrad Electronic genannt.

Zufällig hatten meine Eltern ein baugleiches Gerät unter der Bezeichnung EKM 265 daheim, das ich sogleich mal ausborgte. Dieses hat gleich bei etlichen Messungen große Unterschiede bis zu mehreren hundert Prozent (!) ergeben. Und das nicht nur bei den kleinen Bereichen bis wenige Watt (zum Beispiel 9,4 W zu 2,1 W bei der ausgeschalteten Schreibtischlampe) sondern auch bei großen Leistungen (zum Beispiel 2140 W zu 2074 W beim Wasserkocher).

Das EKM 265 wurde auch auf diversen Online-Berichten als empfehlenswertes Gerät bei der Einsteigerklasse genannt.

Nun gut, da hab ich nun dazugelernt und ich musste alle meine Messungen wiederholen.

Auswertung

Einige Messwerte haben mich durchaus überrascht: mein Deckenfluter, der im Wohnzimmer meine Hauptlichtquelle ist (ich mag nun mal indirektes Licht lieber als die Deckenlampe), verbraucht doch tatsächlich dreihundertzehn(!) Watt, wenn ich den Dimmer komplett aufdrehe! Der Deckenfluter im Schlafzimmer (Billigteil vom IKEA) braucht hingegen "nur" 156 Watt.

Mein Desktoprechner (Mac Mini G4 1,42 GHz) ist dagegen schon ein Kleinverbraucher mit 5 W im Schlafmodus (ich schalte den fast nie ganz ab), 23 W bei ruhendem Desktop (das ist der Normalfall) bis hin zu 44 W maximal (Prozessor, Festplatte und DVD-Laufwerk arbeiten hart). Dagegen mein 24" TFT-Monitor verbraucht seine 83 W ständig, sofern er läuft.

Mein Durchlauferhitzer unter der Küchenspüle verbraucht 2044 W beim Aufheizen aber gottseidank gar nichts, wenn er grad nicht heizt.

Das ist durchaus nicht selbstverständlich: der unnötige Standbyverbrauch einiger Geräte ist teilweise schon unverschämt hoch. Mein Verstärker gönnt sich zehn Watt, meine externe Festplatte fast fünf und mein externer TV-Empfänger immerhin konstant 5,2 W. Hier sind die Hersteller gefragt, die wenigen Cent pro Gerät für eine ordentliche Trennungsschaltung zu investieren und die Verbraucher sind gefragt, öfters auf das Standby-Verhalten zu achten.

Immerhin summieren sich dieser unnötige Verbrauch du ansehnlichen Summen zusammen: als Daumenregel hab ich mir errechnet, dass pro Watt Dauerverbrauch im Jahr ungefähr ein Euro zusammenkommt. Wenn ich nun Verstärker (standby), Computer (im Schlafmodus), Router, externer TV-Tuner, Schreibtischlampe (ausgeschaltet) und externe Festplatte (standby) alleine betrachte, kommen ansehnliche 35 EUR pro Jahr zusammen, die ich doch lieber anderswertig ausgeben möchte. Und das sind in diesem Beispiel nur wenige meiner Geräte, die bei mir im Standby laufen.

Bei den Großverbrauchern kann man sich durchaus viel Geld pro Jahr ersparen. Wenn ich meinen Wohnzimmer-Deckenfluter pro Tag ca. vier Stunden laufen lasse (durchaus representativ), dann kommen pro Jahr schon hier um die fünfzig Euro heraus!

Es ist also höchste Zeit für ein Stromsparkonzept.

Mein Stromsparkonzept

Da ich sehr oft meinen Computer laufen habe (er bedeutet für mich neben Arbeitsmittel hauptsächlich Bibliothek, Telefon, Fernseher, Email, Instant Messager, Musik, Fotos), habe ich mir für ihn ein spezielles Konzept überlegt. Doch zuvor zum Rest meiner Verbraucher.

Manche meiner Geräte wie meine Waschmaschine verbrauchen gottseidank im ausgeschalteten Zustand keinen Strom. Trotzdem trenne ich sie durch Steckerziehen vom Netz, um andere Aspekte zu berücksichtigen. Ein gezogener Netzstecker bedeutet eine hinreichende Sicherheit gegen Überspannungen, wie sie ständig im Stromnetz vorkommen. Bei einem Blitzeinschlag können dadurch zudem Geräte komplett zerstört werden.

Mein Luftbefeuchter, der im Winter mein Schlafzimmer wesentlich angenehmer macht, verbraucht stolze 750 W und er hat keine Timerfunktion oder ähnliches. Meine elektrische Zahnbürste verbraucht ständig fast zwei Watt, obwohl ich sie sicherlich nicht so belaste, dass ein Rund-um-die-Uhr-Laden gerechtfertigt ist. Beide Geräte werden bei mir mit einer Zeitschaltuhr (siehe weiter unten) versehen. Mein Luftbefeuchter befeuchtet damit pro Nacht fünf mal eine viertel Stunde und meine Zahnbürste ladet damit nur zwei Mal eine Stunde vor den typischen Zahnputzzeiten. Damit hält auch der Akku länger.

Der schon öfters angesprochene Wohnzimmer-Deckenfluter verursachte mir Kopfzerbrechen. Als derzeitige Lösung habe ich den Fluter per Dimmer abgeschalten und betreibe nur noch die ebenfalls dranhängende Glühlampe, was mich statt 310 W (100% Deckenfluter ohne Lampe) auf 40 W (nur Lampe) runterbringt. Das bedeutet eine nicht unwesentliche Einbuße bei der Helligkeit doch ein wenig schummriges Licht hat doch auch etwas für sich :-)

Der Durchlauferhitzer in der Küche muß - dank Geschirrspüler - eigentlich nur im Winter das Wasser wärmen. Das spart im Sommer viel unnötige Kosten.

Mein Drei-Stufen-Konzept für die Verbraucher rund um meinen Computer

Die Verbraucher, die im Umfeld meines Computer notwendig sind, teile ich in drei Stufen ein:

  1. Manuell ein/aus
  2. Automatisch ein, wenn Computer läuft
  3. Manuell ein, wenn Computer läuft

Manuell ein/aus

Etliche Gräte werden unabhängig vom Computer ständig betrieben oder ich brauche sie nur sehr selten und schalte sie daher nur bei Bedarf ein.

Ständig betrieben werden bei mir Router, PDA-Aufladestation und Schreibtischlampe.

Bei Bedarf schalte ich folgende Geräte ein: externer Brenner, HiFi-Verstärker, Funk-Kopfhörerübertrager.

Automatisch ein, wenn Computer läuft

Einige Dinge brauche ich genau dann, wenn mein Computer läuft. Das sind zum Beispiel meine externe Festplatte (wo ich in Zukunft vielleicht sogar das Betriebssystem drauf laufen lassen werde), der externe TV-Empfänger und mein USB-Hub.

Weiter unten wird dargelegt, wie ich das anstelle.

Manuell ein, wenn Computer läuft

Derzeit schalte ich nur den Bildschirm manuell ein, wenn ich mich zum Rechner setze. Er hat einen zu hohen Verbrauch dafür, dass mein Computer auch oft läuft, wenn ich nicht davor sitze. Das tut er zum Beispiel auch zeitgesteuert, wenn ich etwas vom Fernsehen aufnehme. Daher ist mir die Lösung mit manuellem Einschalten lieber.

Weiters habe ich hier noch meinen HiFi-Verstärker drangehängt, weil der bei mir ohne Computer keinen Sinn macht. Ich habe alle meine CDs digital am Computer, was mir ein wesentlich bequemeres Hantieren ermöglicht. Wenn der Computer ausgeschalten ist, dann braucht der Verstärker auch nicht unnötig laufen.

Gesteuerter Betrieb

Wie habe ich dieses Konzept technisch umgesetzt? Wie schalte ich Geräte möglichst bequem auf Wunsch ein und aus? Wie kann ich zeitgesteuert Geräte betreiben? Nun, da bin ich mittendrin aber habe schon einige Dinge herausfinden können:

Zeitgesteuert

Ein zeitlich gesteuerter Betrieb ist am einfachsten mit einer Zeitschaltuhr umzusetzen. Ich habe sehr gute Erfahrung mit HT456 gemacht: man kann periodische Zyklen auf Tage, Wochentage und Wochenendtage in Minutenabständen definieren. Weiters hat sie sogar eine Sommer/Winterzeit umstellungstaste!

Ebenfalls gut fand ich die EIM-805 von Unitec. Vorsicht hingegen ist bei analogen Zeitschaltuhren geboten: viele Modelle haben einen nicht unwesentlich hohen Eigenstrombedarf! Also besser bei den digitalen bleiben und die Bedienungsanleitung nicht verschmeißen :-)

Manuell gesteuert

Viele Geräte haben keinen Schalter mehr, mit denen sie komplett vom Strom zu trennen sind. Andere wiederum haben diesen Schalter an einer unzugänglichen Stelle. Oftmals will man mehrere Geräte gleichzeitig ein- und ausschalten. All dies wird sehr bequem mit einer Funksteckdose gelöst.

Ich habe ein Modell von micro-electric, womit ich vier unabhängige Steckdosen schalten kann. Drei Dosen waren ursprünglich beim Set dabei, das ich recht günstig im Baumarkt erstanden habe.

Oftmals bekommt man eine Fernbedienung für weniger Dosen als im Set dabei sind. Dafür kann man diese Dosen auch separat kaufen.

Was ich auch noch praktisch finde: ich hatte im Keller einen Rechner, der ständig lief. Daran hingen zwei externe Festplatten zum Sichern. Ich wohne im Erdgeschoß und die Reichweite der Funkdosen war soweit ausreichend, dass ich in meiner Wohnung diese externen Festplatten im Keller schalten konnte, ohne dass ich in den Keller gehen musste :-)

Automatisch gesteuert

Tja, das ist leider ein Punkt, der bei mir noch offen ist.

Es gibt sogenannte Master/Slave Steckdosen/Steckerleisten (im Folgenden mit M/S abgekürzt), die eine interessante Funktion bieten: solange am Master-Stecker ein Verbraucher Strom zieht, sind die restlichen Slave-Dosen ebenfalls mit Strom versorgt. Wenn nun der Verbrauch vom Master unter einen gewissen Schwellwert sinkt, werden die Slave-Dosen vom Netz getrennt. Der Schwellwert kann mittels eines Drehpotentiometers eingestellt werden, sodaß die Slave-Verbraucher auch dann vom Strom getrennt werden, wenn der Master wenig Energie (statt gar keine) verbraucht. Damit kann man den Standby-Verbrauch ebenfalls als "kein Verbrauch" deklarieren.

Oftmals sind noch Überspannungsfilter in diesen Teilen untergebracht, was eine zusätzliche Sicherheit bringt.

Meine Idee war nun, dass ich die Verbraucher, die genau dann laufen müssen, wenn mein Computer läuft, mit so einer Leiste schalte. Wenn der Computer ausgeschaltet ist oder schläft, sollen diese Verbraucher automatisch keinen Strom mehr bekommen. Dadurch sinkt der Standby-Verbrauch der angeschlossenen Slave-Verbraucher auf Null. Die Schwelle vom Abschalten der Slave-Verbraucher wollte ich so einstellen, dass mein Rechner (Mac Mini) im Schlafmodus (Suspend to RAM) als "ausgeschaltet" gilt und die Slave-Verbraucher stromlos geschaltet werden.

Master/Slave Steckerleiste ISOTRONIC

Mein Bruder hatte eine M/S frei, die er nicht mehr brauchte. Sie hat an seinem Desktop-Rechner wertvolle und gute Dienste geleistet. Leider steht keine eindeutige Produktbezeichnung oben. Auf der Rückseite kann man aber ISOTRONIC und Art.-Nr. 26149 im Plastik lesen.

Leider funktionierte das mit dem Standby und Schwelle der M/S-Leiste nicht so, wie ich es mir gewünscht hatte: wenn mein Rechner schläft (4,9 W), muss ich die Schwelle so hoch ansetzen, dass die Slave-Verbraucher noch keinen Strom bekommen, wenn mein Rechner läuft 23-44 W.

Die Schaltschwelle läßt sich daher in der Praxis leider nicht in den 7 bis 75 W einstellen, wie auf der Rückseite vermerkt.

USB-Master/Slave-Dose

Ein netter Arbeitskollege hat mit eine nicht mehr benötigte Steckdose geschenkt, die eine geringfügig andere Funktionalität aufweist: die Dose schaltet genau dann den Strom frei, wenn an dem dranhängenden USB-Kabel ein Strom anliegt.

Die Idee ist daher folgende, dass man den USB-Stecker an den Rechner anschließt. Dieser soll genau dann auf all seinen USB-Steckern Strom liefern, wenn er eingeschaltet ist.

Doch leider ist es mittlerweile so, dass fast alle Rechner (inklusive meinem) ständig an den USB-Schnittstellen Strom bereitstellen. Ich habe bislang nicht gerausgefunden, ob man dieses Verhalten beeinflussen kann.

Somit ist auch diese Methode leider für meine Zwecke unbrauchbar.

ednet Master/Slave Steckerleiste

Im Fachhandel habe ich mir dann eine ednet Power Control Master/Slave gekauft, um sie daheim zu testen. Die Funktionsweise ist gleich wie bei der ersten M/S Steckerleiste von meinem Bruder.

Ich habe an der Master-Dose meinen Mac Mini angeschlossen und den Regler für die Slaves im Schlafzustand und im laufenden Betrieb angepaßt. Alles schien wie gewünscht zu funktionieren: die Leiste schaltete merklich hörbar (Relais) und sichtbar (LED) die Slave-Dosen genau dann ein, wenn mein Rechner lief und nicht dann, wenn er schlief oder aus war. Hurra!

Dann habe ich meine Slave-Verbraucher wie externe Festplatte, externer TV-Tuner und USB-Hub eingesteckt und plötzlich hatte ich das gleiche Fehlverhalten wie bei der ersten M/S Leiste: entweder die Slave-Verbraucher liefen nie, ständig oder sie wurden ständig ein- und ausgeschaltet, was recht unfein für jedes Gerät ist.

Ergo zeigte diese M/S Steckerleiste ein anderes Verhalten im belasteten Zustand an den Slave-Dosen. Wieder nix :-(

Ich schätze, dass diese Probleme durch den geringen Verbrauch meines Rechners im eingeschaltenen Zustand kommen.

Derzeitiger Workaround

Da ich noch keine funktionierende Lösung für das Master/Slave-Schalten habe, laufen meine Verbraucher für den Zustand "Automatisch ein, wenn Computer läuft" derzeit ständig, was mir 11,8 W kostet (ca. 5 W externe HDD und ca. 6 W für den externen TV-Tuner).

Wenn man für eine (funktionierende) M/S Steckerleiste 20 EUR veranschlagt, rechnet sich diese schon nach zwei Jahren!

Vielleicht finde ich hier ja noch eine funktionierende Lösung.

Fazit

Es ist sehr aufschlussreich, welche Geräte im Haushalt wie viel an Stromkosten verursachen. Einige böse Überraschungen lauern sicher in jedem Haushalt.

Durch das Erfassen des Verbrauches kann man sich bewußt machen, was man an Stromkosten einsparen kann.

Mit geeigneten Hilfsmitteln und verbrauchsbewußtem Einkauf sind viele Euros pro Jahr drinnen.

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